Enkeltrick erkennen und vorbeugen
Veröffentlicht am 25. August 2026

Symbolbild, KI-generiert
Das Telefon klingelt, eine unbekannte Nummer. „Rate mal, wer dran ist", die Stimme klingt aufgeregt, fast außer Atem. Wer jetzt den Namen des Enkels oder der Enkelin errät, hat dem Anrufer bereits den ersten Gefallen getan. Genau darauf ist die Masche gebaut.
Wie der Enkeltrick funktioniert
Beim Enkeltrick geben sich Betrüger am Telefon als Enkelkind oder andere nahe Verwandte aus und erfinden eine Notlage: ein Unfall, eine plötzliche Geldnot, eine Kaution, die sofort gezahlt werden muss. Über wiederholte Anrufe und angekündigte Geldabholer bauen sie Druck auf. Laut polizei-beratung.de ist das eine der zentralen Taktiken der Täter.
Eine neuere Variante läuft über WhatsApp statt Telefon. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer beginnt mit „Mama, mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer", ein paar Nachrichten später folgt die Bitte um eine dringende Überweisung. Der Grundmechanismus bleibt derselbe, nur der Kanal wechselt.
Eng verwandt ist der sogenannte Schockanruf. Hier gibt sich der Anrufer nicht als Enkel aus, sondern als Polizist oder Staatsanwalt: Ein Familienmitglied habe einen schweren Unfall verursacht und komme nur gegen eine sofortige Kautionszahlung aus der Untersuchungshaft frei. In beiden Fällen ist es dieselbe erfundene Notlage, die keine Zeit zum Nachdenken lassen soll. Nur die vorgegebene Autorität wechselt, vom Verwandten zur Behörde. Wer die Warnzeichen des Enkeltricks kennt, erkennt auch den Schockanruf.
Warnzeichen, die Sie kennen sollten
Ein paar Muster wiederholen sich fast immer, laut polizei-beratung.de:
- Der Anrufer stellt sich nicht selbst vor, sondern lässt raten, wer dran ist.
- Die geforderte Geldsumme wird als dringend und unaufschiebbar dargestellt.
- Für Bedenkzeit oder Rückfragen bei anderen Familienmitgliedern ist angeblich keine Zeit.
Diese künstliche Eile ist selbst das deutlichste Warnsignal. Echte Notlagen lassen sich fast immer durch einen Rückruf bei der bekannten Nummer klären, ohne dass dabei etwas verloren geht. Ein Betrugsversuch dagegen bricht meist genau in dem Moment ab, in dem jemand innehält und nachfragt.
Wie Sie dem Enkeltrick vorbeugen
Der wirksamste Schutz entsteht, bevor überhaupt ein verdächtiger Anruf kommt. Ein paar feste Absprachen mit Ihren Eltern reichen dafür meistens schon aus.
Am besten legen Sie gemeinsam ein Familien-Kennwort fest, ein Wort, das nur echte Verwandte kennen. Laut Malteser in Deutschland hilft schon eine „gesunde Portion Skepsis" gegenüber jedem Anruf mit plötzlichem Geldproblem. Ein Kennwort macht diese Skepsis im Ernstfall konkret: Eine Frage genügt, statt dass Ihre Eltern unter Druck selbst einschätzen müssen, ob der Anruf echt ist.
Genauso wichtig: bei jedem Anruf mit einer dringenden Geldbitte auflegen und unter der bekannten, gespeicherten Nummer zurückrufen, nicht unter einer neuen Nummer, die der Anrufer selbst nennt. Malteser rät zusätzlich, bei unerwarteten Besuchen an der Tür zuerst durch Türspion oder Gegensprechanlage zu schauen und die Tür nur mit vorgelegter Kette zu öffnen.
Und ganz grundsätzlich: kein Bargeld an Unbekannte, auch nicht an einen angeblichen „Abholer im Auftrag" des Enkels. Bittet jemand darum, persönlich vorbeizukommen, spricht das eher für die Betrugsmasche als dagegen. Auch das Bundesministerium des Innern nennt in seinen Präventionshinweisen Misstrauen gegenüber Anrufern, die sich nicht selbst mit Namen melden, als einen der zentralen Tipps der Polizei.
Wer selbst nicht in der Nähe wohnt, kann diese Absprachen genauso gut am Telefon oder im Videoanruf treffen. Details dazu, wie Sie trotz Distanz eng in Kontakt bleiben, finden Sie in Pflege aus der Ferne organisieren.
Auch ein Anruf, der rechtzeitig aufgelegt wurde, lohnt eine kurze Meldung. Malteser rät ausdrücklich, verdächtige Anrufe bei Vertrauenspersonen oder der Polizei zu melden, selbst wenn dabei nichts passiert ist. Ein Anruf, der bei Ihren Eltern erfolglos blieb, kann anderswo noch laufen. Die Meldung hilft, das Muster früh sichtbar zu machen, nicht erst nachdem jemandem tatsächlich Geld abhandengekommen ist.
All das setzt voraus, dass Ihre Eltern überhaupt bereit sind, darüber zu sprechen. Manche winken ein solches Gespräch erst einmal ab, aus Scham oder weil sie sich nicht bevormunden lassen wollen. Wenn ein erster Anlauf ins Leere läuft, ist das kein Grund, es aufzugeben. Wie Sie ein solches Gespräch anders angehen können, beschreiben wir in Wenn Eltern jede Hilfe ablehnen.
Was tun, wenn der Anruf gerade passiert
Bleiben Sie ruhig, geben Sie keine persönlichen Daten preis und stellen Sie eine Kontrollfrage, die nur ein echtes Familienmitglied beantworten kann. Lässt sich die Situation nicht sofort klären, legen Sie auf und rufen Sie die Polizei unter 110 an. Ist bereits Geld übergeben worden, erstatten Sie in jedem Fall Anzeige. Das hilft der Polizei laut polizei-beratung.de, das Muster zu erkennen und weitere Opfer zu schützen, auch wenn das eigene Geld oft nicht mehr zurückzuholen ist.
Digitale Sicherheit gehört dazu
Die WhatsApp-Variante des Enkeltricks zeigt: Vorbeugen heißt inzwischen auch, das Smartphone selbst etwas sicherer zu machen, etwa durch eine aktuelle Spam-Erkennung oder eine Liste bekannter Kontakte statt beliebiger Nummern. Wer sich bei solchen kleinen, konkreten Einstellungen lieber von jemandem aus der Nachbarschaft helfen lässt, statt es allein herauszufinden, findet das bei der IT-Hilfe von Mein Helfair.

